entscheidungsfindung eigenes parlament

Wie finde ich zu einer Entscheidung? Teil 1: Fragen

ENTSCHEIDUNGSFINDUNG

ODER: ICH BIN MEIN EIGENES PARLAMENT

Teil 1: Fragen

 

Es gibt viele Entscheidungen im Leben mit vielen Fragen. Kleine wie „lieber das Tiramisu oder den Eisbecher?“. Oder große wie „lieber diese Arbeitsstelle kündigen, in der ich mich nicht wohlfühle, von dem ich aber denke, dass es mir mehr Sicherheit bietet oder mich selbstständig machen mit dem was mir Spaß macht, wo ich aber Angst habe vor den Unwägbarkeiten der Selbstständigkeit?“. Und eine ganze Menge dazwischen.

 

Doch was ist das, die oder der sich in mir entscheidet? Vor allem bei schwierigen Entscheidungen, bei denen das Gefühl vorherrscht, mit einer passenden Antwort zu ringen, fragt sich welche Partei mit welchen anderen ringt. Ich bin doch nur ein Mensch. Also sollte das doch alles einstimmig beschlossen werden. Aber in mir sind viele Stimmen. Wer sind diese unterschiedlichen, teilweise sehr gegensätzlich scheinenden Teile?

 

Auf den ersten Blick ist es oft eine Menge von Stimmen, die da in uns ruft. Bei etwas genauerem Hinhören können wir oft einzelne Stimmen wahrnehmen: „Das Tiramisu erinnert mich an diesen Abend in Rom, wo ich mich so wohl gefühlt habe. Daran möchte ich mich gern erinnern, ich will das Tiramisu.“ – „Lieber den Eisbecher, der ist mit Obst und ohne Sahne hat er nicht so viele Kalorien wie das Tiramisu. Heute morgen auf der Waage war ein Kilo zuviel drauf. Wenn ich jetzt wieder schwach werde, sind es bald zwei. Ich sollte den Eisbecher nehmen.“ – „Eigentlich sollte ich gar nichts essen. Der Eisbecher macht auch dick. Und gesund ist er trotz Obst nicht. Am besten gar nichts essen.“

 

Die Person ist hin- und hergerissen. Irgendwann trifft sie die Entscheidung, manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Oft ist ein Teil der Entscheidungsfindung bewusst, kombiniert mit einem unbewussten Teil. Auf die eine oder andere Art bekommt eine der inneren Stimmen Priorität. Es ist entschieden. Der Rest des inneren Chors hat erstmal nichts mehr zu sagen.

 

Aber wer entscheidet, welche Stimme die Priorität bekommt? Und auf welcher Basis läuft die Entscheidungsfindung?

 

Wer bewertet die verschiedenen Argumente und entscheidet nach verstandesgemäßem Abwägen oder auch nach Bauchgefühl, wo jetzt grade die Priorität gesetzt werden soll?

 

Sich entscheiden: aus den ge-schiedenen Gefühlen und Gedanken, den Argumenten setzt sich eine Haltung durch. Die verschiedenen Stimmen im Inneren werden zu einer: ich habe mich ent-schieden.

 

Wer ist genau dieses Ich, diese Entscheidungsinstanz? Und wer sind diese Stimmen? Bin nicht alles einfach ich? Und wenn ich alles bin, wie kann ich mich dann ent-scheiden von den Vielen zu Einen? Wo bleiben dann die anderen Ichs?

 

Zur Veranschaulichung möchte ich ein Bild einführen: das Bild des demokratischen Parlamentes. Ihres Parlamentes, Ihres inneren Parlamentes. Hier können sich viele Stimmen zu Wort melden, manchmal einzelne, manchmal Dutzende, manchmal über hundert.

 

Wenn wir vor einer Entscheidung stehen, melden sich in unserem inneren Parlament die Mitglieder und rufen ihre Argumente in den Raum. Bei der Abstimmung dann halten sie ihre Stimmzettel hoch mit Ja, Nein und Enthaltung. Oder sie sind vielleicht gar nicht anwesend, obwohl sie rechtmäßiges Mitglied der Versammlung sind.

 

Manche Menschen versuchen in schwierigen Situationen zu einer Entscheidung zu kommen, indem sie die Parlamentsmitglieder fragen, von denen sie denken, dass sie der Verstandespartei angehören. Dadurch erhoffen sie sich eine feste Basis für ihre Entscheidung. Und sie denken, dass die daraufhin getroffene Entscheidung eine vernünftige und damit umsichtige, langfristige funktionierende Entscheidung wäre.

 

Aber in unserem inneren Parlament ist es noch schwieriger als im äusseren, genau zu wissen, wer für was steht und wer welche Beweggründe für ihre oder seine Meinung hat. Denn im inneren Parlament gibt es keine offiziellen Parteien. Es gibt keine feste Sitzordnung, durch die eindeutig erkennbar wäre, wo das Mitglied sich im politischen Überbau verortet. Es gibt keine Festlegungen, zumindest keine offiziellen. Oder es gibt offizielle aber es ist nicht klar, ob die wirklich inoffiziell auch eingehalten werden. Alles ist offen im inneren Parlament. Alles ist ständig in Veränderung. Alles?

 

Wenn aber alles offen ist, was bedeuten dann die Parlamentsvertretenden, auf die wir uns verlassen haben, weil wir sie für die Verstandesvertretende hielten? Wer sind sie? Und sogar wenn sie die Vertretung des Verstandes sind, ist das wirklich eine Basis, die Umsicht, Differenziertheit, Sicherheit, Zuverlässigkeit und Langfristigkeit garantiert? Denn das ist, was viele Menschen von einer Verstandesentscheidung erwarten.

 

Oft entscheidet sich eine Person nach bestem Wissen und Gewissen für die Haltung, die der Verstand nahelegt, nachdem alle Argumente beleuchtet wurden. Und trotzdem zeigt sich zu einem späteren Zeitpunkt, dass es genau die falsche Entscheidung war. Dass genau die Entscheidung, die die reine Bauchentscheidung und deshalb als unvernünftig abgewertet wurde, die richtige gewesen wäre.

 

Und was bedeutet das genau, eine Bauchentscheidung? Was bedeutet eine Verstandesentscheidung? Was ist der Bauch, kann der Bauch und was der Verstand? Wo sind die Möglichkeiten, wo die Grenzen?

 

Es ist äusserst uneindeutig. Denn genauso passiert es häufig, dass eine Entscheidung aus dem Bauch, die sich so richtig anfühlte, getroffen wird. Und sich im Nachhinein herausstellt, dass die Verstandesentscheidung den Prioritäten der Person und dem von ihr gewünschten Verlauf viel näher gekommen wäre. Dass es genau richtig gewesen wäre, ausschliesslich auf den Kopf zu setzen.

 

Was bedeutet das? Herrscht in unserem inneren Parlament und in der äusseren Welt nur Chaos und wir könnten genauso gut würfeln, um zu einer Entscheidung zu kommen?

 

Nach meiner These und um im Bild es inneren Parlamentes zu sprechen, ist die weiterführende Frage: wer sind die Abgeordneten? Für was stehen sie wirklich und weshalb? Das bedeutet: welche Stimmen sprechen aus mir und weshalb? Was ist mir von mir selbst unbekannt und weshalb? Was möchte ich mir selbst sagen? Was ist das ganze Bild zu diesem Thema, meine vollständige, komplexe und differenzierte Disposition? Was ist mein inneres Parlament? Wer ist mein inneres Parlament?

Wie finde ich zu einer Entscheidung? Teil 2: Antworten

Wie finde ich zu einer Entscheidung? Teil 3: Taten

 

Beratung, Coaching & Psychotherapie in Berlin & überall (via Skype)

Andrea Hofmann

Heilpraktikerin für Psychotherapie

Heidelberger Str. 37a

12059 Berlin (Neukölln / Treptow)

030 – 28 45 98 57

0176 – 234 02 987

info@andrea-hofmann.de

www.andrea-hofmann.de

Share your thoughts